Jugendbildungsstätte Aiki-En
 Jugendschule und Coaching-Internat 

J.O.B. - Jump Over and Boost

Ein Motivations-, Arbeits- und Kompetenztraining für benachteiligte junge Menschen zwischen 15 und 21 Jahren

Hintergründe

Nicht nur in so genannten bildungsfernen Schichten wird zunehmend ein eklatanter Mangel an grundlegenden Kenntnissen und Fertigkeiten des geordneten menschlichen Zusammenlebens sichtbar. Häufig fehlt sogar das Grundwissen für eine Selbstorganisation des Tagesablaufs, für die Erhaltung der physischen und psychischen Gesundheit und über die Voraussetzungen für ein friedvolles, soziales Miteinander. Der Alltag ist geprägt von aggressiver Langeweile.  Hinzu kommt, dass sich in weiten Teilen der Gesellschaft ein absoluter Mangel an Idealen und Werten ausgebreitet hat. So fehlt für viele junge Menschen letztlich die Orientierungsbasis zu einer konkreten und Sinn erfüllenden Lebensplanung. Sie bleiben nur im Wunsch nach besonderer Anerkennung und  materiellem Reichtum verhaftet, bzw. ‚groß raus zu kommen’. Diese Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist der Nährboden für Frustration und mehr oder weniger unterschwelliger Aggressivität. 

Zielgruppe

  Benachteiligte junge Menschen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren sind die Hauptzielgruppe. Diese ist charakterisiert durch mehrfache Entwicklungshemmnisse und einer dadurch bedingten Nicht-Integrierbarkeit in die Gesellschaft, den Arbeits- und Ausbildungsmarkt und/oder schulische und außerschulische Bildungsmaßnahmen. Aggressivität, Desinteresse, Demotivation, Orientierungslosigkeit und mangelndes Selbstwertgefühl sind die häufigsten Symptome. Häufig konnten sie sich weder in der Schule, noch im Elternhaus allgemeines Wissen und grundlegende Fertigkeiten in ausreichendem Umfang aneignen, welche sie zu einem sinnvollen (Arbeits-) Leben befähigen und motivieren. Neben der daraus oft resultierenden „Null Bock Mentalität“ fallen auch Mängel im persönlichen Erscheinungsbild, der Pflege und dem sprachlichen Ausdruck auf.  Eine konflikt- und gewaltgeprägte Vergangenheit (nach außen gerichtet oder auto-aggressiv) sind die Regel, ebenso wie leichtfertiger Umgang mit Alkohol und anderen leichten Drogen.    Die Maßnahme ist in erster Linie für junge Männer geeignet. Therapiebedürftige (Drogenabhängige, Psychisch Kranke, schwer Traumatisierte,…) werden von uns als Bildungseinrichtung nicht angenommen!    Darüber hinaus zählen aber auch nicht benachteiligte junge Menschen zum Zielgruppenspektrum. Beispielsweise jene, die nach erfolgreichem Schulabschluss (noch) nicht wissen was sie machen sollen, jene die feststellen wollen wo ihre Talente liegen, welchen beruflichen Neigungen sie nachgehen sollen oder auch sich einfach Fertigkeiten für ein in jeder Hinsicht eigenverantwortliches Leben aneignen wollen. Oder jene, die sich die Frage nach dem Warum und Wozu aller Lebensplanung stellen. Dieser Teilnehmerkreis wirkt geistig anregend auf die Teilnehmer aus bildungsfernen Schichten und fördert deren Reflexionsvermögen.   


Teilnahme

Die Teilnahme erfolgt aus freiem Willen. Die Kandidaten erhalten vorab ausführliche Informationsunterlagen. Bei Bedarf wird eine Überprüfung des schulischen Bildungsniveaus durch einen Mitarbeiter des Jugendbildungswerks durchgeführt. Interessierte können sich bei einem Besichtigungstermin einen ersten Eindruck verschaffen und in einem gemeinsamen Gespräch weitere Fragen klären. Danach kann die Zuweisung durch den Kostenträger (i. d. R. Jugendamt) erfolgen.  

Die ersten 12 Tage gelten als Probezeit. Bei Bedarf kann diese auf 3 Monate verlängert werden


Setting

J.O.B. ist ein umfassendes und intensives Training. Sportlichkeit ist keine notwendige Voraussetzung.

Die Integrationsmaßnahme erstreckt sich über drei Phasen mit jeweils unterschiedlicher Schwerpunktsetzung. Sie dauert 12 bis maximal 36 Monate. Die Phasen sind in Schulungsblöcke von jeweils 12 Tagen unterteilt. An den schulungsfreien Wochenenden haben alle Teilnehmer die Möglichkeit an den Angeboten zur aktiven Freizeitgestaltung teilzunehmen.  

Der Körper ist zunächst das zentrale Erfahrungsmedium. Dies stärkt in erster Linie die Selbstwahrnehmung und das Selbstbewusstsein. Der pädagogische Ansatz ist handlungs- und nicht gesprächsorientiert. Über eine Veränderung des Verhaltens wird eine Veränderung der Sprache und schließlich der Denkhaltung erreicht. Einsicht braucht Zeit.

Die Teilnehmer haben dabei die Chance zu einer effektiven, nachhaltigen Entwicklung. Sie bilden mit den am Hof lebenden Pädagogen, Lehrern und Praktikanten eine harmonische Lebensgemeinschaft (im familiären Kontext) in der jeder seinen verantwortlichen Beitrag zu leisten hat.  


Inhalte

Die Schulungen folgen einem ganzheitlichen Ansatz. Sie zielen nicht bloß auf eine Beseitigung von Defiziten der Teilnehmer ab, sondern auf eine umfassende Befähigung dauerhaft selbstverantwortlich zu leben und zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft zu werden. Persönliche Ressourcen werden entdeckt und aufgebaut um die Basis einer leistungsfähigen Persönlichkeit mit eigener Identität zu bilden. Dies erfolgt durch:

  • Verbesserung der schulischen Fähigkeiten (Lernen für den Qualifizierenden Hauptschulabschluss, Mittlere Reife)

  • Sozialtraining (Kommunikations-, Konflikt- und Teamfähigkeit)

  • Arbeitstraining (Planung, Ablauf, Produktivität, Arbeitsteilung, etc.)

  • Pflege höflicher Umgangsformen (Verhaltenstraining)

  • Hilfestellung zur Klärung persönlicher Blockaden in Schule, Arbeit und Leben

  • Aufbau einer aufrechten Körper- und einer aufrichtigen Geisteshaltung

  • Bewegungs- und Atemschulung, Meditation

  • Vorgabe einer Strukturierung von Zeit, Aufgaben und Beziehungen

  • Anleitung zur Selbstversorgung und Selbstverwaltung

  • Erweiterung des geistigen Horizontes (Seminarbesuche)

  • Vermittlung von Grundlagenkenntnissen des Haushaltens

  • Ehrenamtliche Arbeit, Dienste für die Gemeinschaft

  • „Abendländische“ Werteerziehung (insbesondere Demokratie, Gleichberechtigung, Sekundärtugenden, Umweltschutz)

Die hier genannten Inhalte betreffen alle Schulungsteilnehmer. Abhängig von der jeweiligen Person und ihren individuellen Stärken und Schwächen liegt der Schwerpunkt jeweils auf anderen Aspekten. Zusatzangebote gibt es insbesondere im Bereich der Prävention von aggressiven und gewalttätigen Verhaltensweisen.

VORZÜGE des J.O.B.-Trainings

  • Langfristiger, nachhaltiger und ganzheitlicher Ansatz (Schulung von Körper und Geist)

  • Ressourcenbetontes, vielschichtiges Training von kognitiver und emotionaler Intelligenz

  • Räumliche Einheit von Wohnen, Leben, Lernen und Arbeiten (Betreuung aus einer Hand)

  • Schwerpunkt Werteerziehung

  • Sinnvolles, bildungsbetontes Freizeitprogramm (Natur-Erlebnispädagogik)

  • Tutorenteam (Freiwillige und Praktikanten)

  • Individueller Wechsel zum Kooperationspartner Montessori Schule und Montessori Oberschule Eggenfelden für weiterführende Schullaufbahn

Ziele

Die Hauptziele des Projekts sind:

  1. Persönlichkeitsstabilisierung und Integration (AIKIDO)

  2. Schulische Bildung (Unterricht, auch in Kooperation mit der Montessorischule Eggenfelden)

  3. Abendländische Werteerziehung (insbesondere Demokratie, Gleichberechtigung, Sekundärtugenden, Umweltschutz):

  • Primär- und Sekundärtugenden

  • Leistungsbereitschaft

  • Menschenrechte und –pflichten

  • Gleichberechtigung

  • Demokratie-Verständnis

  • (Selbst-) kritisches Denken

  • Umwelt- und Naturschutz

Diese allgemeinen pädagogischen Zielsetzungen werden schwerpunktbildend in den drei Projektphasen verwirklicht.

Während der ersten Phase (ca. 6-9 Monate) liegt das Hauptaugenmerk auf einer grundlegenden physischen Vitalisierung, sowie einer emotionalen Stabilisierung der Persönlichkeit. Das Training in der Kampfkunst Aikido dient als grundlegendes Self-Empowerment-Training. In dieser Phase nimmt die Feststellung von Veränderungswillen und Lernfähigkeit einen zentralen Platz ein. Zudem liegt die Konzentration auf der Herstellung der allgemeinen Lern- und Leistungsbereitschaft, sowie die Entwicklung von (Selbst-) Verantwortlichkeit und der Vermittlung von grundlegenden Fertigkeiten des alltäglichen sozialen Lebens.  

In der zweiten Phase (ca. 12-18 Monate) liegt das Hauptaugenmerk in der kognitiven Aktivierung und schulischen Qualifizierung. Diese  bieten die Basis zur Ausbildung von ausreichender Initiative (Selbstmotivation) und Willenskraft.

Die dritte Phase (ca. 6-12 Monate) dient der beruflichen Orientierung und Allgemeinen Qualifizierung. Neben einer beruflichen Orientierung soll diese Phase weitere Erkenntnisse über die persönlichen Potenziale und Neigungen liefern und einen Realitätsbezug herstellen.  

Den Abschluss bildet ein ausformuliertes persönliches Lebensideal und Wertespektrum, welches im Einklang mit der humanistischen Ethik unter Einbeziehung der eigenen Wurzeln entwickelt wird.  

Schwerpunkte in Phase I (ca. 6-9 Monate):  

Physische Vitalisierung und emotionale Stabilisierung (Motivierung und Positivierung)

  • Aufbau insbesondere körperlicher Vitalität und Sensibilität

  • Verbesserung des persönlichen Erscheinungsbildes und der Umgangsformen

  • Förderung der Bereitschaft zur Zusammenarbeit

  • Erhöhung von Selbstbeherrschung und Disziplin

  • Verbesserung der Leistungsbereitschaft und -fähigkeit

  • Erhöhung der Frustrationstoleranz

  • Erwerb grundlegender Fertigkeiten des täglichen Lebens: Grundlagen des (Haus-) Wirtschaftens und der Selbstversorgung

  • Aneignung allgemeiner Grundwerte

Schwerpunkte in Phase II (ca. 12-18 Monate):  

Kognitive Aktivierung  und Schulische Qualifizierung (Initiative und Vermögen)

  • Allgemeines Lebens- und Arbeitstraining

  • Aufbau insbesondere geistiger Vitalität und Flexibilität

  • Erwerb Horizont erweiternden Wissens (Konfliktstrategien, etc.)

  • Erweiterung des schulischen Wissens

  • Vorbereitung auf den Qualifizierenden Hauptschulabschluss/ Mittlere Reife

  • Erhöhung der Kooperationsfähigkeit im Team  

  • Selbsterkenntnis (Lerntypus, Frustrationsbewältigung, Selbstmotivation, Reaktionsmuster, etc.)

  • Erwerb von sozialen Grundfertigkeiten (Kommunikation, Beziehungsaufbau, etc.)

  • Vertiefung und Erweiterung abendländischer Werte

Schwerpunkte in Phase III (ca. 6-12 Monate):  

Berufliche Orientierung  und Allgemeine Qualifizierung (Fokusierung und Umsetzung)

  • Präsentationsfähigkeit und realistische Selbsteinschätzung  

  • Hinführung zu eigenverantwortlicher und selbständiger Haltung

  • Intensivierung des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls

  • Entschiedenheit und Beharrlichkeit in der Verfolgung von beruflichen und privaten Zielen

  • Entwicklung eines persönlichen Ideal- und Wertebildes