Jugendbildungsstätte Aiki-En
 Jugendschule und Coaching-Internat 

Die Jugendschule der Jugendbildungsstätte Aiki-En 


Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) - Bereit für eine volatile Welt

Aus der Erfahrung unserer langjährigen Arbeit mit verhaltensauffälligen, benachteiligten und teilweise bereits delinquenten jungen Menschen zwischen 14 und 21 Jahren sehen wir allerorten unpassende Schulstrukturen für die Jugendlichen in der Pubertät. Unsere in der Praxis gemachten Erfahrungen und daraus gewonnenen Erkenntnisse decken sich mit denen führender Erziehungswissenschaftler, allen voran Helmut Fend, die erkannt haben, dass Schulen, so wie sie heute sind, weder den Bedürfnissen des jungen Menschen in der Pubertät, noch denen unserer jetzigen Epoche (post-modern) wirklich angepasst sind. Sie empfehlen die Entwicklung einer Jugendschule, die speziell auf die Anforderungen und Bedürfnisse der jungen Menschen in der Phase der Adoleszenz ausgerichtet ist. 

Mit einer Jugendschule für Bildung für nachhaltige Entwicklung wollen wir den Übergang von Schule und Beruf und damit auch vom kindlichen hin zum gereiften, ziel- und leistungsorientierten Lernen und Arbeiten (wie ein Erwachsener) erleichtern. Die Jugendschule soll schulbegleitend und -ergänzend den jungen Menschen in unserer volatilen Welt einen geschützten Kontext bieten in dem sich junge Menschen Alltags- und Gestaltungskompetenzen erwerben können, frühzeitig auf komplexe soziokulturelle, ökologische und ökonomische Herausforderungen vorbereitet werden und zu selbständigem vernetztem unternehmerischen Denken und ko-konstruktiven Handeln befähigt werden. 

Aiki-En bezeichnet einen Garten (jap.: En) in dem Menschen zeitweise oder dauerhaft gemeinsam die Prinzipien des Aiki (Prinzipien der Harmonisierung vitaler Energien) studieren. Der Begriff der ´Harmonisierung` umfasst dabei drei Bereiche:

  • Die integrale Persönlichkeitsentwicklung (Selbst-Kompetenz),

  • Das Studium von Beziehungen (Soziale Kompetenz), und

  • Das Leben mit globaler Perspektive (Globale Kompetenz):

Diese drei miteinander eng verbundenen Dimensionen bilden die Grundlage einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und bedingen sich gegenseitig. Die menschliche Persönlichkeit steht dabei in der Mitte grundlegender Polaritäten in allen drei Dimensionen.

Ganheitliche Bildung hat diese Polaritäten und die Beziehungen untereinander im  Blick:

  1. Die Antropologische Dimension, enstanden durch die Polarität von Erkennen und Handeln: diese verweist auf das Integrative Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“.

  2. Die Soziale Dimension, enstanden durch die Polarität von Individuation und Sozialisation: das Individuum findet seine eigene Identität erst im Kollektiven (kein ICH ohne DU).

  3. Die Gesellschaftlich-kulturelle Dimension, enstanden durch die Polarität von Tradition und Innovation: der Mensch befindet sich im Spannungsfeld von Tradition, Moderne und Postmoderne und muss lernen damit umzugehen (Globalen Herausforderungen lokal begegnen)..

Innerhalb dieser Dimensionen werden die Fähigkeiten zur Meisterung der Herausforderungen von morgen herausgebildet.

Die Jugendschule ermöglicht den jungen Lernenden vielseitige Bildungs- und Handlungserfahrungen im Kontext nachhaltiger Entwicklung zu machen. Das Hauptziel ist dabei der Erwerb umfassender Gestaltungskompetenz. Junge Menschen sollen die Möglichkeiten erhalten Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen zu erlangen, die eine Veränderung im Bereich ökonomischem, ökologischem und sozialem Handeln erst möglich machen, das heißt, diese zu befähigen die Zukunft im Sinne der Nachhaltigkeit selbstbestimmt gestalten zu können. 

In der Jugendschule wird das schöpferische Potenzial von Lernen, Arbeiten und Leben in einem Menschen ganzheitlich bildend zusammengeführt. Hierbei soll auch die Wertigkeit von Berufen neu justiert werden. Einen Beruf als Berufung zu erfahren, unabhängig davon, ob kognitiv-akademisch oder praktisch-handwerklich, erfüllt das Leben jedes Menschen und unterstützt den jungen Menschen dabei, sich selbst verwirklichend, ein aktive gestaltendes Mitglied der Gesellschaft zu werden.

Dabei integriert die Jugendschule alle Säulen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung:

Umwelt: Umweltbildung, Landschaftspflege und Naturschutz

Gesellschaft: Soziale Teilhabe, Gemeinschaft erleben und Gesellschaft gestalten

Wirtschaft: (eigen)verantwortliches ökonomisches Handeln

Kultur: Kulturelle Bildung und Horizonterweiterung durch Studium anderer Kulturen

Eingebettet ist die pädagogische Arbeit der Jugendschule in eine nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung.


Foto-Gallerie

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Methodik und Didaktik der Jugendschule

Zwei Gruppen mit jeweils bis zu 6 Schülern verbringen im Wechsel 18 Wochen (neun mal 12-Tages-Blöcke) pro Schuljahr in der Jugendschule. Hier leben sie in der Gemeinschaft Gleichaltriger und lernen selbständig und eigenverantwortlich zu leben, zu studieren, zu wirtschaften und zu arbeiten. Unterstützt werden sie dabei von unseren Pädagogen und Coaches.

Hierbei beinhaltet der Aufenthalt in der Jugendschule folgende drei zentrale Aspekte:

  1.   Leben: Gemeinschaft erfahren, Alltag gestalten, als Persönlichkeit wachsen  
  2.   Studieren: Schaubildarbeit und schulisches Lernen in Epochen, Allgemeinbildende fächerübergreifende Projekte, Persönlichkeitsentwicklung durch Aikido-Praxis
  3.   Arbeiten: Konstruktives, leistungsbezogenes und produktives Arbeiten in den Schülerfirmen ´(Lebensmittel-)Produktion`, ´Dienstleistung` und ´Landschaftspflege und Naturschutz`.


Methodik

Die Jugendschule ist keine bloße Kopie des von Montessori umrissenen Erdkinderplans. Wohl aber folgt die Didaktik all ihren Prinzipien und ist damit eher eine Weiterentwicklung. In der konkreten Umsetzung wurden die Schwerpunkte und Methoden dem heutigen Kontext angepasst, langjährige Erfahrungen aus der konkreten Arbeit mit benachteiligten und verhaltensauffälligen jungen Menschen im 3. Lebensjahrsiebt integriert und das Gesamtkonzept entsprechend den Bedürfnissen der Jugendlichen und aktuellen Problematiken unserer Zeit erweitert.

Integratives Lernen schließt demnach in der Jugendschule folgende Aspekte mit ein:

  1. Leben in einer Gemeinschaft

  2. Konstruktives und leistungsbezogenes, produktives Arbeiten

  3. Alltägliches Haushalten und Wirtschaften

  4. Umweltbildung: Natur beobachten, Natur erleben, Natur schützen

  5. 'Lehr-Eltern` als Weg-Begleiter und Rahmen-Geber

  6. Lehrgespräche über mögliche Entwicklungsziele

  7. Selbst-Studium und Lern-Unterstützung

  8. Allgemeinbildende Projekte und Seminare

  9. Integral-Journal zur (Selbst-)Reflexion

  10. Aikido als Praxis zur Persönlichkeitsentwicklung und zum Beziehungsstudium


Didaktik

Der pädagogische Ansatz in der Jugendschule ist konsequent ressourcen-orientiert. Die wichtigsten Elemente sind Partizipation, Handlungsorientierung und Lebensweltbezug.  

Lernen wird als ein integrativer Entwicklungsprozess verstanden. Er umfasst fünf Kernbereiche:

  1.   den Körper als wichtiges Erfahrungsmedium des 3. Lebensjahrsiebtes (hier: subtiles wahrnehmen),
  2.   den Verstand, der die Fähigkeit bietet zunehmend differenzierte, komplexe und präzise Perspektiven auf sich und das Leben einzunehmen,
  3.   die Spiritualität (Geist/ Gemüt), die durch Gegenwärtigkeit, Alltags-Rituale und Be-Achtung (s)eines höheren Selbst verwirklicht wird,
  4.   das Bewusst-Sein, das zu einer Stabilisierung der Persönlichkeit und Achtsamkeit führt, und
  5.   eine Integrale Ethik, die durch die Entwicklung von tugendhaftem und ethischem Verhalten in Richtung einer integren Persönlichkeit und allgemeiner Lebenstauglichkeit führt.   

Die Jugendschule folgt folgenden didaktischen Elementen:

  •   Vorbereitetes Lernumfeld: Innenräume und Außenanlagen sind optimal für vielfältige Tätigkeiten in konzentrierter Kleingruppenarbeit vorbereitet (Raumstrukturen, Arbeitsmaterialien)
  •   Strukturvorgabe: Gruppenstruktur (Entwicklungshierarchie), Zeitstruktur, und Aufgabenstruktur (Belastungswechsel zwischen körperlicher Tätigkeit, schulischem Lernen, und psycho-  emotionaler ´Verdauungsphasen` = Würdigung)
  •   Limitation: Bewusster Medienumgang und private Medienbeschränkung, intensive Gemeinschaftserfahrung durch Übernachtung in Schlafsälen   
  •   Erfahrungs-Lernen (Medium Körper): Der Körper ist primäres Erfahrungsmedium. Lernen und Entwicklung ist immer an Erfahrung (Konkretes Handeln, Subtiles Wahrnehmen) gekoppelt.
  •   Epochen-Lernen: Lernen findet in Epochen (längere Zeiträume) mit jeweils fächerübergreifenden Themengebieten statt. Wissen soll dabei gefestigt werden, damit Erfahrung gemacht und in Anwendung gebracht werden.
  •   Modell-Lernen: ´Lehr-Eltern` und Lernbegleiter dienen als Modell, ebenso wie Erfahrene und Ältere in der Gruppe (Peer-to-Peer-Ansatz).
  •   Arbeits- und Berufswelt-Bezug: Konstruktives, leistungsbezogenes Arbeiten, Arbeitsprojekte und die Leitung der und Arbeit in den Schülerfirmen setzen Gelerntes unmittelbar in den Bezug zur Berufs- und Arbeitswelt; zudem lernen die Jugendschüler in Praktika (20 Tage) die Berufswelt konkret kennen.   

Das von Montessori postulierte Grundprinzip „Hilf mir es selbst zu tun!“ des Kinderalters kann in der Jugendschule zu einem „Lass es mich selbstverantwortlich tun!“ des Jugendalters reifen.


Zielgruppen

Primär-Zielgruppe:

  •   Schüler mit (Qualifizierendem) Hauptschulabschluss

Sekundär-Zielgruppe: 

  •   Eltern


Ziele der Jugendschule

Die Ziele des Projektes sind sehr umfangreich und betreffen unterschiedliche Wirkungsebenen. Zum Einen wurden Outcomes formuliert, die die Wirkungen auf der Ebene der Zielgruppen beschreiben. Zum Anderen soll dieses Pilotprojekt auch Wirkungen auf gesellschaftlicher Ebene entfalten (Impacts).


Wirkungen auf der Ebene der Zielgruppen:

Die Wirkungen auf diese Ebene beziehen sich auf zwei (von drei) Bereichen:

  1.   Die Persönlichkeitsentwicklung mit der Erweiterung des Lebens-Wissens und dem Ausbau von Alltagskompetenzen und
  2.   Die Entwicklung von Sozialen Kompetenzen und Gestaltungskompetenzen, die zu soziokulturellem, ökologischen und ökonomischen Handeln befähigen.   

Die Jugendschule möchte die jungen Menschen zu zukunftstauglichem Denken und Handeln befähigen. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung einer ausgeglichenen kompetenten Persönlichkeit (Persönlichkeitsbildung), der Erweiterung des rein schulischen Wissenserwerbs durch konkrete ´Arbeits`-Erfahrungen und der Ermächtigung der jungen Menschen zu selbstverantwortlicher nachhaltiger Handlungsfähigkeit und Lebensgestaltung. Um die komplexen soziokulturellen, ökonomischen und ökologischen Zusammenhänge erfahrbar zu machen und zu kompetentem Handeln zu befähigen, setzt sich die Jugendschule insbesondere folgende Wirkungsziele:

  • Lern- und Leistungsbereitschaft aus innerer Motivation

  • Verbesserung der schulischen Leistungen und Motivation zu (höheren) Schulabschlüssen

  • Erwerb und Ausbau von Teamfähigkeit, Kommunikationstechniken, Konfliktfähigkeit und Selbstorganisation

  • Ermutigung zu sozialem Engagement und politischer Teilhabe

  • Herstellung von lebensweltlichem Bezug, von Selbstständigkeit und Eigeninitiative

  • Befähigung zu vorausschauendem, interdisziplinärem Handeln

  • Unternehmerische Praxis in den Schülerfirmen

  • Befähigung zum konkreten und abstrakten Perspektiven-Wechsel

  • Erhöhung der Sensibilität für Umwelt und Natur

  •   Erweiterung des persönlichen Horizontes von egozentrischer zur globaler Weltsicht
  •   Entwicklung (inter-) kultureller Kompetenzen


Wirkungen auf gesellschaftlicher Ebene:

Die Wirkungen auf diese Ebene beziehen sich auf den dritten Bereich:   

     3. Der Veränderung des Lebensumfeldes der Zielgruppen (gesellschaftliche Veränderungen).   

Die fundierte Evaluation der Projektergebnisse soll die Grundlage für eine Verbreitung der Jugendschule bilden. Hierzu soll eine Bildungsakademie an der Jugendschule etabliert werden, die sich ganz der Thematik des Jugendalters und dem innovativen Jugendschul-Ansatz widmet. Als Weiter- und Fortbildungsstätte für Pädagogen, Multiplikatoren und Eltern, soll diese zudem das Erleben und Erfahrung sammeln in der konkreten Arbeit mit Jugendlichen an der Jugendschule ermöglichen.

Zudem sollen die Ergebnisse Anstoß zur Schulentwicklung auch für staatliche Mittelschulen geben können und dabei helfen diese aufzuwerten und zukunftsfähig zu machen.


Innovation         

Das Projekt Jugendschule ist bislang deutschlandweit in dieser konsequenten Art einmalig. In der Montessori-Szene werden vielfach Teilaspekte des Erdkinderplanes umgesetzt (in der Regel mittels Schulgärten) und es gibt Bestrebungen das amerikanische School Farm Projekt in Deutschland umzusetzen.

Jedoch integriert der innovative Ansatz der Jugendschule neben allen von M. Montessori geforderten Prinzipien und Inhalten einer ´Erfahrungsschule des sozialen Lernens` auch noch die Tatsache, dass sich unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten von einer Agrar- zu einer Dienstleistungsgesellschaft verändert hat. Die Jugendlichen von heute sind mit komplexen sozialen, ökologischen und ökonomischen Zusammenhängen konfrontiert, die von ihnen umfassende Kompetenzen und eine integre werte-orientierte Persönlichkeit einfordern. Aus diesem Grund haben die Jugendschüler die Möglichkeit in drei Bereichen Erfahrung zu sammeln und an den gestellten Aufgaben zu wachsen:

  1. Die Schülerfirma ´Produktion`: Hier steht die Arbeit in und mit der Erde im Vordergrund. Ein 6500 m² großer Permakultur-Garten dient der Selbstversorgung mit Obst und Gemüse, sowie der Produktion und dem Verkauf der weiterverarbeiteten Lebensmittel.

  2. Die Schülerfirma ´Dienstleistung`: Hier betreiben die Jugendschüler das Gästehaus der Bildungsakademie in dem sie neben den Seminargästen auch ihre (Groß-) Eltern versorgen und bewirten.

  3. Die Schülerfirma ´Landschaftspflege und Naturschutz`: Hier lernen die Jugendschüler ehrenamtliches Engagement und nachhaltiges Handeln für ihre Zukunft. Sie betreuen Landschaftspflegeflächen und beteiligen sich an der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.

Das Projekt setzt auf die Freisetzung und Nutzung vielfältiger Synergien für alle Kooperationspartner. Die Jugendschule arbeitet eng mit den Kooperationspartnern zusammen und entwickelt sich auf der Grundlage eines konsequenten Monitorings und regelmäßiger Evaluation gemeinsam mit den Kooperationspartnern weiter. So können sich Jugendschule, Partnerschulen und Partner der Umweltbildung gegenseitig befruchten.

Völlig neu ist auch das wirtschaftliche Konzept der Kostenneutralität für die Teilnehmer. Bislang scheitert eine Umsetzung des Erdkinderplans u.a. auch daran, dass die Kostenfrage nicht geklärt werden kann. „Wer trägt die Kosten für die Unterbringung eines Jugendlichen in solch einer Jugendschule?“

Die Jugendschule – Bildung für nachhaltige Entwicklung benötigt ausschließlich eine Anschub-Finanzierung für die ersten 3 Jahre. Anschließend kann sie unabhängig von äußeren Geldgebern durch den Betrieb der drei Schülerfirmen eigenständig wirtschaften.

Innovativ und bislang einmal ist auch eine intensive und enge Kooperation zwischen einer Montessori-Schule (als Partnerschule) einem Freien Jugendhilfeträger (als federführenden Partner) und Partnern aus der Umweltbildung (LBV und Landschaftspflegeverband).